Erste Eindrücke vom Philadelphia Glider Council

30 03 2008

Was natürlich bei all der Entbehrung während den 6 Monaten gar nicht geht, ist aufs Segelfliegen zu verzichten. Aus dem Grund habe ich mich gestern mal nach Hilltown, Bucks County aufgemacht, um die Örtlichkeiten des Philadelphia Glider Council in Augenschein zu nehmen. Der Kassier des Vereins hatte gemeint, er wäre da und könnte den Papierkram mit mir erledigen, der ist aber in dem Moment aus dem Gelände ausgebogen, als ich eingebogen bin. In so fern habe ich erst mal so ein bisschen rumgeschnüffelt und mich ein bisschen mit den Leuten unterhalten. Im Grunde laufen, international genormt, auf jedem Segelfugplatz ja die selben Leute rum, nur dass sie verschiedene Sprachen sprechen. So auch in Hilltown. Man fühlt sich natürlich gleich wie zu Hause, fragt sich dann aber doch immer wieder, ob es irgendwo eine Brutstätte für solche Leute gibt und die dann an die Vereine verteilt werden….

Nun ja, was ich dann da gesehen habe, hat in mir verschiedene Reaktionen hervorgerufen. Erst mal: Ein Riesen Platz, drei Grasbahnen oder so, und es gibt 40 – 50 (!) Privatmaschinen. Das ist dann schon der erste gravierende Unterschied. Einer der anwesenden Piloten hat mir erzählt, er hätte sich letztes Jahr einen Ventus gekauft, von einem anderen Mitglied, der ihn nicht mehr brauchte. Im Detail habe ich dann erfahren, dass dieser Kollege sich scheinbar bei Vereinseintritt – und vor Beginn der Schulung – einen Ventus gekauft hat. Einfach mal so. Dann hat er irgendwann festgestellt, dass ihm Segelfliegen vielleicht doch nicht so viel Spaß macht, wie angenommen, und da hat er ihn dann verkauft, für 30.000 $, weil er braucht ihn ja nimmer. Erstes Stirnrunzeln. Entweder haben die Amis eine andere Einstellung zu Geld, oder sind generell sehr naiv.

Der Kollege, der den Ventus jetzt hat, hat aber auch erst seit zwei Jahren seinen Schein, aber da will ich mal nix sagen.

Als ich dann in den Hallen rumgelatscht bin, hat mich der zweite Schreck gepackt: Scheinbar gibt es zwar Winter-Werkstattarbeiten, die an den Maschinen gemacht werden, aber die werden dann einfach aufgebaut in der Halle stehen gelassen. Dementsprechend ist jetzt eine cm-dicke Staubschicht auf den Seglern. Den endgültigen Aha-Effekt hatte ich dann aber erst, als ich einen der 4 Twins gesehen habe. Der ist scheinbar neu in der Flotte und war besonders günstig. Erstens: Wie kann sich ein Verein, der schon drei Twins hat (noch dazu 2er), noch einen vierten dazukaufen?? Zweitens: Wie, zum Geier, kann man einen Segler so verkommen lassen?? Die Karre hatte auf der gesamten Oberfläche Risse, alles war verdreckt (der Bock hat wohl immer draußen gestanden und wurde nie geputzt), die Klappen gehen nur mit Gewalt bis zur Hälfte raus, und und und. Ich perönlich werde mich möglichst drum drücken, mich in das Ding reinsetzen zu müssen. Es sind ja noch drei andere da, das sollte schon machbar sein. Das linke Klappenblech löst sich übrigens auch, um nur noch einen Mangel mehr zu nennen.

Als ich dann gemeint habe, dass sowas in Deutschland keine Jahresnachprüfung überstehen würde geschweige denn überhaupt ein Lufttüchtigkeitszeugnis bekommen würde, hat man gemeint, dass es ja nur kosmetische Sachen wären, und der nur neu lackiert werden müsste. Ja, ne, is klar…….

Ich lass mich mal überraschen, nächstes Wochenende is bei denen offiziell Saisonstart, da werde ich dann mal auftauchen.

Außerdem sind die grad dabei, den Windenstart zu entdecken, nur hat scheinbar keiner Ahnung, wie man einen Parallelbetrieb mit F-Schlepp und Winde hinkriegen soll. Da sind die jetzt total froh, dass ich das kenne und ihnen helfen kann. Wo da das Problem ist, frage ich mich noch immer. Jedenfalls habe ich beschlossen, meinen Mitgliedsantrag erst mal noch nicht abzuschicken, weil die Sache ja auch nicht ganz umsonst ist. Jahresbeitrag sind um die 800 $, Aufnahmegebühr kommen auch nochmal 500 dazu. Dafür kostet der Windenstart nur 5$. Und der F-Schlepp auf 3000 ft nur 27. Aber mal schauen. Für das Geld könnte ich auch einfach im Fluglager eine Woche nach Hause fliegen.

Wir werden sehen.

PGC1


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3 Antworten

30 03 2008
Sas

ein drittel hab ich jetzt nicht kapiert. aber das ist wahrscheinlich nicht so schlimm, weils sichs eh „nur“ ums fliegen gedreht hat. kannst du nicht noch ein paar eindrücke von der guten amerikanischen küche bringen ? ;)

1 04 2008
kitte

das wollt ich auch schreiben. ich versteh nur bahnhof. „segler – blah blah blah schrottkarre blah“—

naja, in amiland ist halt doch nicht alles besser. schreib doch bitte mal über amerikanischen kaffee (aber nicht starbucks)

5 04 2008
Jon

amerikanischer kaffee (auch nicht-starbucks) ist wirklich besser geworden, meiner erfahrung nach. ich kenne noch die legendären geschichten vom wasser-kaffee von früher (Anfang 80er), aber als ich die letzten beiden male dort war bekam man sogar brauchbaren stoff dort. nicht überall, aber es ist wohl längst nicht mehr so schlimm wie damals. wenn es irgendwo auf der welt was besseres gibt als im amiland, dann sind die amis anscheinend schnell dabei sich das auch in ihr „gelobtes land“ zu holen… ;)

aber dennoch: ein eintrag über kaffee, bier, kneipenkultur o.ä. wäre mal eine feine sache, lieber tim…

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